Feuerwehrreise 2011 ins Grimselgebiet.
Die Feuerwehr Bauma – Sternenberg machte über das Wochenende vom 3. – 4. Sept. einen Ausflug ins Grimselgebiet.
Der Ausflug begann um 06.33 Uhr mit einer kleinen Verspätung, da ein Mann mit Verzögerung einrückte. Dieser wurde gleich in einem Schnellverfahren, noch während der Fahrt, zum schreiben des Reiseberichtes verurteilt.
Die Fahrt begann via Rapperswil, Hirzel, durch die Luzerner Unterwelt immer in Richtung Interlaken,
Da sich Willy Dobler aufgrund der immer lauter knurrenden Mägen und der sich im Car ausbreitenden Hungersnot, begleitet von einzelnen Krawallen im hinteren Teil nicht mehr genügend auf das fahren konzentrieren konnte, entschied er sich dann endlich vor dem Brünigpass für einen ersten Kaffeehalt mit Gipfeli im Hotel Landhus bei Giswil. Kurze Zeit später ging die Fahrt in beruhigtem Stil weiter, bei viel Sonnenschein, schönstem Ausblick auf den Lungerer See und die wunderschöne Berglandschaft. Ab und zu hielten wir an, um die Aussicht zu geniessen und ein paar vergiftete Velofahrer überhohlen zu lassen. Die Fahrt endete dann unmittelbar neben der sehr imposanten Staumauer vom Räterichsbodensee bei den Grimsel Kraftwerken 2. Eine erste Führung brachte uns dann nicht nur vor die Staumauer, sondern auch ins Innere derselben, wo uns dann noch einmal bewusst wurde, was diese Leute beim Bau 1940-1943 überhaupt mit den damals verfügbaren Mitteln zustande gebracht hatten. In 2 Gruppen aufgeteilt durchliefen wir das ganze Labyrinth, teilweise 50 Meter unter dem Stausee hindurch und liessen uns alles genau erklären. Die Bilder im Inneren waren sehr eindrücklich und die Angaben über die Grösse und den verbauten Beton von über 250'000 Kubikmeter einfach unvorstellbar. Die teilweise bei uns entstandene Hühnerhaut muss nicht unbedingt von den tiefen Temperaturen im inneren stammen, sie könnte auch aus Ehrfurcht vor den Männern entstanden sein, die damals mit so viel körperlichem Einsatz diese gigantischen Bauwerke vor, aber auch in den Bergen geschaffen haben.
Nach dieser ersten Besichtigung gab es auf dem Gelände ein kleines Lunchsäckli für alle und ein Getränk, das wir allerdings etwas schnell zu verdrücken hatten, da wir pünktlich um 12.00 Uhr in die Kleinbusse steigen mussten, die uns dann in die Stollen der Kraftwerke fuhren. Wie ein billiges Lockangebot tönte dann die Ansage des uns zugeteilten Führers, „Achtung Leute, Ihr habt dann im Stollen noch Verkehr“. Die Fahrt ging dann aber zügig ca. 2,7 Km gerade aus durch den Stollen bis zu einem Wendeplatz. Dort wurden uns dann Kopfhörer verteilt, damit wir die Erläuterungen unseres Führers trotz des Lärms verstehen konnten.
Auch hier wieder waren es gleich von Beginn weg die Dimensionen die uns sehr beeindruckten, alles in Übergrösse, Rohre, Turbinen und Generatoren, die nicht nur wegen Ihrer Grösse sondern auch auf Grund ihres Gewichtes und Ihrer Leistung enormen Eindruck machen.
Kugelhahnen mit einem Gewicht von 6 Tonnen, eingebaut in Röhren die 20'000 Liter Wasser pro Sekunde durchlassen und und und. Doch noch das Tüpfchen auf dem I, auf all diesen Meisterwerken prangen grosse Schilder, mit Namen von stolzen alten Schweizer Firmen.
Nach all dieser Technik wurde uns dann aber auch noch gezeigt, welch wunderbaren Meisterwerke die Natur auch ohne uns zustande bringt und zwar in Form einer Quarzgrotte die 1974 beim Bau des Zufahrtstunnels Gerstenegg durchschnitten wurde. Kein Juwellierladen könnte in der Vorweihnachtszeit schöner leuchten als diese in der Grotte erhalten gebliebenen Kristalle. Nach der Bauzeit wurden eine Art Schaufenster in diese Grotte eingebaut und ein zusätzl. Nebenstollen erstellt damit man diese Schätze der Natur auch heute noch bewundern kann. Zudem sind im Tunnel viele Vitrinen aufgestellt, in denen alle beim Tunnelbau heraus gebrochenen Schmuckstücke zu sehen sind.
Nach diesem sehr exklusiven Naturdessert verliessen wir die Stollen wieder, fuhren an der Heiligen Barbara vorbei und genossen im freien wieder das wunderbare sonnige Herbstwetter.
Nach einer kurzen Carfahrt gab es dann in Innertkirchen für alle in einer schönen Gartenwirtschaft etwas zu trinken und für die meisten noch einen Coup. Man genoss das Zusammensitzen, erschlug wie immer Wespen und diskutierte über den originellsten Veloständer der Region.
Als wäre es das lockerste Wochenende aller Zeiten, wurden wir dann mit dem Car auf der Sustenstrasse wieder zum Triftbähnli auf 1022 m chauffiert, um damit zum Ausgangspunkt unserer „Wanderung“ auf 1357 m zu gelangen. Die als Ziel gesetzte Windegghütte liegt auf 1887 m.ü.M. Höhendifferenz 530 Meter. Die Wanderung begann locker und führte uns über eine lange Treppe und Kieswege immer schön ca. 100 Höhenmeter bergab um über eine Brücke Underi Trift, das Triftwasser zu überqueren. Danach wieder aufwärts erneut auf die angegebene Starthöhe von 1357 m.ü.M., somit war die angegebene Höhen-differenz wieder hergestellt. Der Weg führte uns durch eine schöne Berglandschaft mit Gletscherbächen immer weiter hinauf in die Felsen.
Im verlaufe der „Wanderung“ erfuhren dann einige, was man in Bliggenswil unter dem Wort Wandern versteht. Als Kompensation für die etwas grössere Höhendifferenz, war dafür die Windegghütte gar nicht so weit weg.
Ein Schnellwaschgang am Hüttenbrunnen war bitter nötig und tat gut. In der gemütlichen Hütte wurde ein feines Nachtessen mit einer kräftigen Suppe und Dessert serviert. Die sehr enge Stuhlung damit alle Platz hatten, störte kaum, da sowieso alle beim Aufstieg etwas Gewicht verloren hatten. Zwei Mann wurden dann aufgrund ihrer grossen Versprechungen zum Abtrocknen abberufen, wobei der eine nach einem ersten Unfall wirklich eine grosse Hilfe zu sein schien. Der zweite benötigte aber Stunden, nur um die Namen der beiden Küchenmädchen immer laut auswendig zu lernen, was vermutlich mit der etwas dünneren Luft zu tun haben könnte.
Es wurde ein gemütlicher Abend für die Feuerwehr und das Personal mit Spielchen machen, etwas trinken, einen Schnupf nehmen und ein par Witze erzählen. Schliesslich wurde es dann aber Zeit sich im Haus, wenn möglich bei den eigenen Leuten, noch eine freie oder nur schwach besetzte Matratze zu suchen, was dann irgendwann auch allen gelang. Aber um nachts zur Toilette zu gelangen, musste man teilweise erst noch die von einem KEZO Angestellten die ganze Nacht lang mühsam zersägten Holzpalletten beiseite räumen. Dafür war aber um 01.30 Uhr der Himmel wieder Sternenklar, es war föhnig und die Hoffnung auf gutes Wetter gross.
Am frühen morgen war es dann aber wieder stark bewölkt und teilweise Neblig. Ein zerzauster eingeweichter Fuchs, der sich einige Meter von der Hütte entfernt zum gaffen und evtl. betteln eingerichtet hatte, zeigte auf, wie das Wetter nachts wirklich war.
Nach dem Frühstück machten wir uns dann auf den Weg zur höchst gelegenen Hängebrücke Europas. Eine Gruppe auf dem normalen Wanderweg, die anderen über den „Bliggenswiler“, mit Ketten und Seilen. Was uns die Natur auf diesem Weg trotz Nieselregen geboten hat, kann man gar nicht genügend schön beschreiben. Hunderte kleine Wunderwerke allein nur am Wegrand. Viele kleine Stein- und Wassergärten, Hochmoore im Kleinstformat, Wasser-spiele und vieles mehr. Alles wieder erbaut nur von der Natur, so schön bepflanzt und sogar mit den schönsten farbigen Steinen zusammengestellt, wie es auch der erfahrenste Gärtner nicht schöner machen könnte. Mitten in all diesen Naturwundern stand dann unser nächstes Ziel, die Hängebrücke, wieder ein Meisterwerk des Menschen mit eindrücklichem Format. Es war wirklich ein Ereignis diese zu überqueren und einmal daneben zu stehen. Sicher auch für einige ein mulmiges Gefühl. Eigentlich waren wir ja wegen dieser Brücke hier hinunter gekommen, obwohl sie zumindest für mich, wegen dieser fantastischen Bergwelt gar nicht mehr das absolute higlight war. Zusätzlich stimmt es einem etwas nachdenklich zu erfahren, dass diese schöne Brücke nur da steht, weil ein noch grösseres Meisterwerk der Natur, gleich nebenan am sterben ist. Der Triftgletscher, über den man früher dieses Tal überqueren konnte, ist nur noch ganz klein und die Bilder neben der Brücke zeigen Erschreckendes.
Mit diesen Eindrücken machten wir uns von dort aus wieder auf den Weg ins Tal, die einen marschierten direkt zur Talstation und die anderen wieder zur Bergstation der Triftbahn, wozu auch ich gehörte, da auch ich im letzten Abstieg plötzlich mit unlösbaren Bremsproblemen zu kämpfen hatte.
Nach einem letzten Schnellwaschgang und Kleiderwechsel ging es dann wieder per Car weiter auf die Grimselpasshöhe, wo wir noch etwas Zeit hatten die Ausstellung der Grimselkraftwerke zu besichtigen. Alleine dafür hätte man noch den ganzen Nachmittag verwenden können, da es sehr viele interessante Experimente, Grafiken und Bildtafeln hatte. Auf denen konnte man alles erfahren, was mit Energie, Nutzung, Herstellung und Verbrauch zu tun hatte, inkl. Vergleichen mit verschiedenen Energien und Verbrauchszahlen. Auch über Automotoren, anno dazumal und Heute. Zum Glück hatten alle Hunger, sonst würde der Car noch Heute auf die letzten dort warten.
Im Grimsel Hospiz haben wir dann ein hervorragendes Mittagessen zu einem erstaunlich niedrigen Preis und in einer angenehmen Atmosphäre mit einem sehr guten Service genossen.
Danach begann eigentlich der Heimweg, zwar ab jetzt mit starkem Regen, aber auf Rädern und hinter Glas, so dass wir noch einmal all die vielen Seen, Stau-mauern und alle grossartigen, menschlichen Bauwerke, von oben herab anschauen konnten. Und immer wieder der Gedanke daran, in welcher Zeit und mit welchen einfachen Mitteln das alles erbaut wurde. Hut ab!
Zugleich war es aber Zeit uns von der Natur hier zu verabschieden, von der ich sehr beeindruckt war und mir erhoffe, dass sie noch lange so erhalten bleibt und ihr die Möglichkeit geboten wird, noch lange an ihren Wunderwerken weiter zu bauen, sonst werden irgendwann auch unsere Werke dort keinen Nutzen mehr haben.
Während uns Willy Dobler noch den Grimsel hinunter, über den Furka und auf die Oberalppasshöhe führte, konnte jeder noch etwas seinen Gedanken nachhängen, seine eigenen Eindrücke verarbeiten und alles einordnen, was er für sich von diesem Wochenende mitnehmen wollte.
Ein letzter Kaffee und Glace Halt auf 2048 m.ü.M im Piz Calmot und danach noch die teilweise etwas schmale Passtrasse hinunter und schon bald wäre unsere Reise Geschichte gewesen. Wären da nicht noch einige Autofahrer gewesen die im Auto erst knobeln mussten um zu entscheiden, ob sie überhaupt und wenn ja, auf welcher Strassenseite am Car vorbeifahren wollten.
Diese Szenen und ein im Piz Calmot ausgeliehenes Würfelspiel sorgten dann auf der weiteren Fahrt doch noch einmal für etwas Stimmung.
Wieder zurück in Bauma, nach nur 36 Stunden und so viel erlebt. Das ist es genau, was eine freiwillige Feuerwehr ab und zu braucht, um die Kamerad-schaft zu erhalten, den einen oder anderen noch etwas besser kennen zu lernen und nicht zuletzt auch noch, um ein bisschen die Fitness zu fördern, die im Ernstfall sehr wichtig ist. Wer seinen Kameraden gut einschätzen kann, weiss worauf er sich im Ernstfall verlassen kann. So gesehen, ist eine solche Reise nicht nur für die Feuerwehrleute, sondern auch für die Bevölkerung ein Beitrag zur täglichen Sicherheit.
Ich hoffe nun dass das lesen dieser Zeilen nicht länger dauert, als die Reise selbst und möchte mich besonders bei Sepp Stierli für das Organisieren bedanken. Jedoch auch bei allen anderen, die sich immer für das gelingen solcher Anlässe einspannen lassen, wie der Kassier Stephan Rüegg und Toni Nock als Kommandant, der auf diese Weise auch immer wieder seine Männer noch etwas besser kennen lernt. Und nicht zuletzt allen die mitgekommen sind, denn ohne sie wäre diese Reise gar nie möglich gewesen. Ich hoffe, dass alle so viel Freude daran hatten wie ich und kann allen, die in dieser Zeit zu hause vor sich hin vegetiert haben sagen, es wäre im Car noch viel Platz gewesen.
Vielleicht sitzen wir das nächste mal etwas enger zusammen, es wäre schön und bitte keine Hintergedanken.
Es war toll!
Alex Sommer